X509-Authentifizierung in Shibboleth

Ein Login-Vorgang am Shibboleth-IdP besteht im Allgemeinen aus verschiedenen Flows. Nachdem eine Anfrage von einem Service Provider (SP) empfangen wurde, geht der IdP in einen der verfügbaren Flows zur Authentifizierung über. Dabei handelt es sich beispielsweise um den Password-Flow authn/Password, wobei sich der Nutzer durch die Eingabe von Nutzername und Passwort authentifizieren kann. Diese Daten werden dann gegen eine angeschlossene Datenquelle (häufig LDAP-Server) geprüft. Am Ende dieses Flows steht die Subject-Canonicalization, die das Erzeugen eines Benutzernamens (auch Principal genannt) für den Nutzer, der sich gerade erfolgreich authentifiziert hat, beschreibt. Unter diesem Benutzernamen ist der Nutzer im weiteren Verlauf schließlich im IdP bekannt. Normalweise (und vor allem bei Verwendung des Password-Flows) entspricht dieser Name schlichtweg dem Nutzernamen.

Neben dem authn/Password-Flow stellt der Shibboleth-IdP auch den sogenannten authn/X509-Flow zur Verfügung, welcher die Verwendung von X509-Client-Zertifikaten als Authentifizierungsmethode erlaubt. Die Logik auf Seiten des IdP ist dabei vergleichsweise simpel, da schlichtweg die Umgebungsvariable „javax.servlet.request.X509Certificate“ im Servlet-Container verwendet wird, um zu prüfen, ob die Authentifizierung erfolgreich ist oder nicht. Wie diese Variable befüllt wird, spielt für den IdP dabei keine Rolle (siehe Dokumentation im Shibboleth Wiki).

Jeder Login-Flow wird über einen dedizierten Endpunkt am IdP zur Verfügung gestellt. Bei authn/X509 handelt es sich dabei um den Pfad /Authn/X509. Ein naheliegender Weg besteht nun darin, diesen Endpunkt über den Apache-Webserver zu schützen. Sobald der IdP dann in seinem Ablauf in den authn/X509-Flow springt (wodurch der User auf den geschützten Pfad auf dem Webserver weitergeleitet wird), greift die Zugriffskontrolle von Apache. Da in diesem Fall als Authentifizierungsmethode X509-Zertifikate eingesetzt werden sollen, kann hierfür das Apache-Modul „mod_ssl“ entsprechend konfiguriert und das Client-Zertifikat validiert werden. Ist diese Validierung erfolgreich, kann der Nutzer den Endpunkt des IdP aufrufen. Dort ist „javax.servlet.request.X509Certificate“ nun korrekt befüllt und stellt Informationen über das verwendete Zertifikat bereit. Wenn die Zugriffskontrolle von Apache den Nutzer nicht durchlässt (also die Validierung des Zertifikats nicht erfolgreich war), kommt der Nutzer gar nicht erst zum X509-Endpunkt.

Im Gegensatz zum authn/Password-Flow, wo die Subject-Canonicalization im Allgemeinen sehr simpel ist, muss beim authn/X509-Flow unter Umständen mehr konfiguriert werden. Normalerweise lässt sich der zu verwendende Name aber aus dem Subject-DN des Client-Zertifikats extrahieren.

Hier soll nun die beschriebene Kombination von Apache-Webserver (Apache 2), Tomcat Java-Servlet-Container (Tomcat 7 bzw. 8) und Shibboleth IdP V3.X beschrieben werden. In der Anleitung wird davon ausgegangen, dass die prinzipielle Infrastruktur bereits aufgebaut und lauffähig ist.

In diesem Beispiel werden zwei Client-Zertifikate verwendet:

Zertifikat 1: emailAddress=mustermann@dfn-cert.de, CN=Erika Mustermann, OU=Test, O=Organisation 1, C=DE

Zertifikat 2: emailAddress=mustermann@dfn-cert.de, CN=Erika Mustermann, OU=Test, O=Organisation 2, C=DE

Die Zertifikate sind nun durch folgende Zertifikat-Hierarchie ausgestellt:

C=DE,O=Test,CN=Test Eins CA

C=DE,O=Test,CN=Test Intermediate

C=DE,O=Test,CN=Test Root

Bei „CN=Test Root“ handelt es sich in diesem Beispiel um die Root CA.

Die beiden Zertifikate unterscheiden sich also nur durch die Zugehörigkeit zu Organisation 1 bzw. Organisation 2.

Beide Zertifikate wurden als Client-Zertifikate in den Browser importiert.

Die Konfiguration des X509-Flows zur Authentifizierung im Shibboleth-IdP erfordert lediglich eine Anpassung in der Konfigurationsdatei {idp.home}/conf/idp.properties. Hier lässt sich der Login-Flow mit idp.authn.flows = X509 aktivieren.

Weiterhin werden laut Shibboleth Wiki noch drei optionale Konfigurationsmöglichkeiten des Flows in {idp.home}/conf/authn/x509-authn-config.xml angeboten. In der Praxis dürfte in den meisten Fällen jedoch nur einer davon relevant sein:

shibboleth.authn.X509.externalAuthnPath erlaubt das Festlegen des Pfads, auf den weitergeleitet werden soll, sobald der Login-Flow aufgerufen wird. Standardmäßig wird der Nutzer dabei auf eine vorgeschaltete Seite weitergeleitet (siehe Abbildung ) und muss explizit bestätigen, dass er nun einen Login per X509-Zertifikat wünscht (was dann zur Weiterleitung auf den Endpunkt /Authn/X509 führt). Wenn dieses Verhalten nicht gewünscht ist, kann dieser Parameter direkt auf den Endpunkt gesetzt werden.

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Abbildung 1: Standardmäßig konfigurierte Hinweis-Seite vor der Weiterleitung auf den geschützten Endpunkt

Abbildung 1: Standardmäßig konfigurierte Hinweis-Seite vor der Weiterleitung auf den geschützten Endpunkt

Nachdem nun im IdP der authn/X509-Flow aktiviert und ggf. konfiguriert wurde, muss Apache so konfiguriert werden, dass der IdP-Endpunkt /Authn/X509 nur nach erfolgreicher Prüfung des Client-Zertifikats aufgerufen werden darf.

Einbinden der CA zur Validierung des Zertifikats

Zunächst muss das Zertifikat zur Validierung des Root-Zertifikats in der Hierarchie angegeben werden:

SSLCACertificateFile /etc/pki/tls/certs/dfn-test-root.crt

Zu beachten ist, dass dies nicht innerhalb einer Location-Angabe in Apache erfolgen darf, da insbesondere Apache in der Version 2.4 und mit aktueller OpenSSL-Version damit nicht zurechtkommt. Stattdessen muss diese Angabe direkt im Virtual-Host gesetzt werden.

Schutz des X509-Endpunkts des IdP

Der eigentliche Schutz des authn/X509-Endpunkts am IdP erfolgt dann über den Schutz der entsprechenden Location auch innerhalb der Virtual-Host-Definition, etwa wie folgt:

<Location /idp/Authn/X509>
 SSLVerifyClient require
 SSLVerifyDepth 3
 SSLOptions  StdEnvVars  ExportCertData
 Require expr (%{SSL_CLIENT_S_DN_O} == 'Organisation 1')
</Location>

Während hier prinzipiell die in Apache-mod-ssl aufgeführten Parameter gesetzt werden können, sind insbesondere die folgenden Direktiven interessant:

SSLVerifyClient ermöglicht erst die Authentifizierung per Client-Zertifikat. Zudem macht im hier betrachteten Anwendungsfall auch nur Require Sinn, da nur damit sichergestellt wird, dass der Client ein valides Zertifikat präsentieren muss.

SSLVerifyDepth drückt die maximale Anzahl an Intermediate-CAs aus, die von Apache verfolgt werden, bis das Zertifikat abgewiesen wird. Im vorliegenden Beispiel ist hier der Wert 3 ausreichend. In anderen Szenarien muss ggf. angepasst werden.

SSLOptions ermöglicht das Festlegen von weiteren Parametern, insbesondere welche Daten aus dem Zertifikat als Umgebungsvariablen zur Verfügung gestellt werden.

Require erlaubt die Konfiguration von Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit der Zugriff gestattet wird und ermöglicht damit die Einschränkung der Authentifizierung auf bestimmte Nutzergruppen. Im folgenden wird diese Direktive genauer betrachtet. Require expr ersetzt im Allgemeinen die veraltete SSLRequire-Direktive.

Konfigurationsmöglichkeiten Require

Die Verwendung von Require ist in der Apache Online-Dokumentation vollständig dokumentiert. Weitere Informationen zur Syntax der alten Direktive SSLRequire finden sich hier. Die Syntax ist mit einigen Ausnahmen identisch.

In dem Beispiel oben wird beispielsweise die Einschränkung (%{SSL_CLIENT_S_DN_O} == 'Organisation 1') verwendet. Dabei wird mit %{SSL_CLIENT_S_DN_O} zunächst auf eine Umgebungsvariable zugegriffen (in diesem Fall, der O-Komponente des Subject-DN des Client-Zertifikats) welche dann auf Übereinstimmung mit einem bestimmten String verglichen wird. Eine Übersicht über die nutzbaren Umgebungsvariablen findet sich in der Apache Online-Dokumentation. In diesem Beispiel würde also Zertifikat 1 (O=Organisation 1) Zugriff erhalten, während Zertifikat 2 (O=Organisation 2) nicht akzeptiert werden würde.

Diese Einschränkungen können nun nach Belieben kombiniert werden, etwa wie im folgenden Beispiel:

Require expr ( (%{SSL_CLIENT_S_DN_O} == 'Organisation 1') \
 
 && (%{SSL_CLIENT_I_DN_CN} == 'Test Zwei CA') )

Hier wird mit %{SSL_CLIENT_I_DN_CN} der CN des Issuer des Client-Zertifikats überprüft. Da beide Zertifikate von „Test Eins CA“ ausgestellt wurden, werden beide Zertifikate nicht akzeptiert.

Nachdem nun in Apache die Validierung des Client-Zertifikats vorgenommen und dieses akzeptiert wurde, kann der User auf den authn/x509-Endpunkt am IdP zugreifen. Dort steht dem IdP über die Umgebungsvariable javax.servlet.request.X509Certificat der Inhalt des Client-Zertifikats zur Verfügung.

Im Folgenden werden einige Punkte beschrieben, die nun üblicherweise am IdP nach der eigentlichen Authentifizierung zu beachten sind:

Extrahieren des „Principal“ aus dem Zertifikat

Zunächst muss über die Subject-Canonicalizationein Name für den Nutzer erstellt werden. Dies kann in {idp.home}/conf/c14n/x500-subject-c14n-config.xml konfiguriert werden. Hierbei stehen standardmäßig zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

Zunächst kann über eine Prioritätenliste auf etwaige Attribute im SubjectAltName des Zertifikats zugegriffen werden. Hier ist die Angabe von Werten zwischen 0 und 8 möglich, welche in RFC-5280 definiert werden. 1 steht hier beispielsweise für E-Mail.

Alternativ kann über eine zweite Prioritätenliste auf die einzelnen Komponenten im Subject-DN des Client-Zertifikats zugegriffen werden, wobei in der IdP-Konfiguration die jeweiligen OIDs angegeben werden müssen. Um also beispielsweise in den vorliegenden Zertifikaten die emailAddress – und wenn diese nicht im Subject-DN ist, alternativ den CN zu verwenden – könnte die folgende Regel definiert werden:

./conf/c14n/x500-subject-c14n-config.xml
<util:list id="shibboleth.c14n.x500.ObjectIDs">
 <value>1.2.840.113549.1.9.1</value>
 <value>2.5.4.3</value>
</util:list>

Weiterhin ist es auch möglich, einige vorgegebene Transformationen anzuwenden (z. B. den Namen in Kleinbuchstaben transformieren) oder eigene Transformationen zu formulieren.

Generell muss hier eine passende Strategie gefunden werden, mit der anhand des erzeugten Namens weitergearbeitet werden kann. Wenn also beispielsweise weitere Attribute aus einem LDAP-Server abgefragt werden sollen, muss hier bereits darauf geachtet werden, einen geeigneten Namen für den Suchfilter zu generieren.

Abfrage von Attributen aus einem LDAP-Server

Schließlich kann nun der wie oben beschrieben erzeugte Principal dazu verwendet werden, weitere Attribute aus einem LDAP-Server abzufragen. In {idp.home}/conf/ldap.properties wird ein Suchfilter für den Attribute Resolver definiert:

./conf/ldap.properties
idp.attribute.resolver.LDAP.searchFilter = (uid=$resolutionContext.principal)

Hierbei bezieht sich $resolutionContext.principal auf den wie oben beschrieben erzeugten Namen. Dieser Filter wird dann normalerweise in den Data Connectors im Attribute Resolver verwendet, um über eine LDAP-Schnittstelle Informationen aus einem Nutzerverzeichnis abzufragen. Die weitere Konfiguration unterscheidet sich dann nicht weiter von einer herkömmlichen Attribut-Abfrage.

Eine weitere mögliche Verwendung des Principal ist eine Attribut Definition in {idp.home}/conf/attribute-resolver.xml, die direkt auf diesen Wert zugreift:

./conf/attribute-resolver.xml
<AttributeDefinition id="uid" xsi:type="PrincipalName">
  <AttributeEncoder xsi:type="SAML2String" name="urn:oid:0.9.2342.19200300.100.1.1" friendlyName="uid" encodeType="false" />
</AttributeDefinition>

Hier wird der wie oben beschrieben erzeugte Principal als Eingangswert für das Attribut uid verwendet.

  • Zuletzt geändert: vor 4 Wochen