Klassen der Verlässlichkeit in der DFN-AAI

Anbieter haben unterschiedliche Schutzbedürfnisse für ihre Ressourcen und damit unterschiedliche Anforderungen an die Verlässlichkeit der Authentifizierung innerhalb der DFN-AAI. Dazu kommt dass auf Seite der nutzenden Einrichtungen unterschiedliche Verfahren zur Identifizierung, zum Ausweisen und zur Pflege ihrer elektronischen Identitäten zum Einsatz kommen.

Aus diesen Gründen werden mehrere Klassen der DFN-AAI definiert: DFN-AAI Test (nur für Testzwecke), DFN-AAI Basic und DFN-AAI Advanced. Die nutzenden Einrichtungen ordnen sich den Klassen im Sinne einer Konformitätserklärung zu. Die Anbieter von Ressourcen wählen die Klassen, die dem Schutzbedürfnis ihrer Ressourcen entsprechen.

So wird unter anderem die Grundlage geschaffen, dass die Anbieter von Ressourcen und die nutzenden Einrichtungen in einer für sie jeweils adäquaten Klasse der Verlässlichkeit zusammenfinden.

Beachten Sie bitte, dass Zuordnung zu einer Verlässlichkeitsklasse nicht notwendigerweise das gesamte Identity Management einer Einrichtung betrifft. Es muss lediglich sichergestellt werden, dass sich nur die Identitäten bei einer Ressource anmelden können, die mindestens die Anforderungen der von der Ressource geforderten Verlässlichkeitsklasse erfüllen (bei einer Ressource in DFN-AAI-Advanced also nur Identitäten, die die Anforderungen der Verlässlichkeitsklasse Advanced erfüllen).

Neben den Aspekten einer vertrauenswürdigen Kommunikation der beteiligten Serversysteme, die durch die digitale Zertifizierung der beteiligten Server gewährt wird, bestimmen die Verlässlichkeit bei der Authentifizierung die folgenden drei Kriterien:

  • I: das Verfahren, mit dem die nutzende Einrichtung die Identität ihrer Nutzer feststellt,
  • A: das Verfahren, mit dem sich ein Nutzer vor dem Zugriff auf eine Ressource ausweist und
  • D: die Datenhaltung und die Prozesse, mit denen die nutzende Einrichtung die digitalen Identitäten ihrer Angehörigen pflegt.

Die nachfolgenden Tabellen legen jeweils die Mindestanforderungen pro Klasse fest. Das bedeutet, dass Verfahren, die für eine höhere Stufe als Mindestanforderung definiert sind, ebenso auch für die niedrigeren Stufen zulässig sind.

2.1 Verfahren zur Identifizierung durch die nutzende Einrichtung (I)

Die nutzende Einrichtung muss ihren Nutzern eindeutige digitale Identitäten zuordnen. Dabei muss sie feststellen, um welchen Nutzer der Einrichtung es sich jeweils handelt. Hierzu sind im Rahmen der DFN-AAI mehrere Verfahren möglich.

Klasse Mindestanforderung Bemerkung
Test Verfahren freigestellt In dieser Klasse ist es der nutzenden Einrichtung freigestellt, wie sie die Identität ihrer Angehörigen feststellt. Diese Klasse ist ausschließlich für Testzwecke vorgesehen.
Basic Identifizierung anhand der Rückantwort von einer eindeutigen Adresse (z.B. eMail-Adresse, Telefonanschluss, Postanschrift) Dieses Verfahren erlaubt eine einfache und schnelle Identifizierung, die ggf. für einige Ressourcen ausreichend ist. Bei dieser Identifizierung bleibt lediglich ungeprüft, ob sich hinter einer eindeutigen Adresse tatsächlich die vermutete Identität verbirgt. (Oder ob sich z.B. jemand anders eines Briefes an eine Postadresse bemächtigt hat.)
Advanced Identifizierung durch das persönliche Vorsprechen gegenüber einer Vertrauensinstanz mit einem amtlichen Dokument zur Identitätsfeststellung. Die an den Hochschulen etablierten Einschreibungs- und Einstellungsprozesse werden als gleichwertig akzeptiert. Mit diesem Verfahren kann eine Identität zweifelsfrei sichergestellt werden. (Beispiele: Immatrikulation von Studierenden unter Vorlage der Hochschulberechtigung, Personalausweis, etc., Abschluss des Arbeitsvertrages mit Angestellten einer Hochschule einschließlich einer adäquaten Identitätsprüfung, persönliches Vorsprechen mit Personalausweis bei einer RA der DFN-PKI, eID-Funktion des neuen Personalausweises oder Verfahren „Post-Ident“.)

2.2 Verfahren zum Ausweis einer Identität (A)

Die Nutzer müssen sich vor dem Zugriff auf eine Ressource mit einem vorgegebenen Verfahren gegenüber ihrem Identity Management System (IdM) ausweisen. Hierbei sind im Rahmen der DFN-AAI mehrere Verfahren möglich.

Klasse Mindestanforderung Bemerkung
Test Verfahren freigestellt In dieser Klasse ist es der nutzenden Einrichtung freigestellt, welche Verfahren sie zum Ausweis der Identität ihrer Angehörigen bereitstellt. Diese Klasse ist ausschließlich für Testzwecke vorgesehen.
Basic Ausweisen anhand einer eindeutig zuzuordnenden digitalen Adresse. Dieses Verfahren erlaubt eine einfache Prüfung, die voraussichtlich für eine Menge von Ressourcen ausreichend ist. Bei dieser Prüfung bleibt lediglich offen, ob sich hinter einer ausgewiesenen Adresse tatsächlich die vermutete Identität verbirgt.
Advanced Ausweis anhand eines personalisierten Accounts mit einer Nutzerkennung und einem Passwort oder digitalem Zertifikat, die im Rahmen einer ausreichend sicheren Vergaberichtlinie ausgestellt wurden. Mit diesem Verfahren kann sich eine Identität zweifelsfrei ausweisen, sofern bei der Ausstellung der personalisierten Accounts ausreichend sichere Vergaberichtlinien eingehalten werden. Dies ist z.B. für digitale Zertifikate der DFN-PKI „Global“ gegeben.

2.3 Datenhaltung und Prozesse zur Pflege der Identitäten (D)

Die nutzende Einrichtung muss die elektronische Identitäten ihrer Nutzer pflegen und insbesondere bei Änderungen diese aktualisieren.

Klasse Mindestanforderung Bemerkung
Test Verfahren freigestellt In dieser Klasse ist es der nutzenden Einrichtung freigestellt, welche Datenhaltung und Prozesse sie zur Pflege der Identitäten verwendet. Diese Klasse ist ausschließlich für Testzwecke vorgesehen.
Basic Mit Verpflichtung bzgl. Korrektheit und Aktualisierung innerhalb von 3 Monaten In dieser Klasse muss die nutzende Einrichtung sicherstellen, dass die Daten der Identitäten korrekt sind und bei Änderungen diese innerhalb von drei Monaten eingepflegt werden.
Advanced Mit Verpflichtung bzgl. Korrektheit und Aktualisierung innerhalb von 2 Wochen In dieser Klasse muss die nutzende Einrichtung sicherstellen, dass die Daten der Identitäten korrekt sind und bei Änderungen diese innerhalb von zwei Wochen eingepflegt werden.

Die Klassen „Test“, „Basic“ und „Advanced“ der DFN-AAI werden durch die Verwendung von mehreren Metadatensätzen innerhalb der DFN-AAI realisiert. Die Klasse „Test“ ist ausschließlich für Testzwecke vorgesehen; die Benutzung der Klasse „Test“ für den Regelbetrieb ist nicht zulässig.
Zu den technischen Details siehe unter Metadaten und Produktivbetrieb.

3.1 Einordnung der Ressourcen durch die Anbieter

Der Anbieter ordnet seinen Service Provider je nach Schutzbedürfnis seiner Ressource in der Metadatenverwaltung selbst der passenden Föderation zu und legt so fest, welche Mindestanforderungen Einrichtungen für die Nutzung der Ressource erfüllen müssen.

3.2 Konformitätserklärung der nutzenden Einrichtungen

Die nutzende Einrichtung ordnet sich in der Metadatenverwaltung unter Vertragsdaten im Sinne einer Konformitätserklärung selbst einer Klasse der DFN-AAI zu. Ihre Nutzer können dann auf alle Ressourcen zugreifen, deren Schutzbedürfnis von den Anbietern entsprechend eingeordnet wurde. Um sich einer bestimmten Klasse der DFN-AAI zuordnen zu dürfen, muss eine Einrichtung alle o.g. Mindestanforderungen dieser Klasse erfüllen. Die Zuordnung zu einer Klasse erfolgt über die Metadatenverwaltung.

Beispiel: Will sich eine Einrichtung der Klasse DFN-AAI „Basic“ zuordnen, so müssen sowohl das Verfahren, mit dem die nutzende Einrichtung die Identität ihrer Angehörigen feststellt (I), als auch das Verfahren, mit dem sich eine Identität ausweist (A) als auch die Datenhaltung und die Prozesse, mit denen die nutzende Einrichtung die Identität ihrer Angehörigen pflegt (D) jeweils mindestens die Anforderungen der Klasse „Basic“ erfüllen. Erfüllt mindestens eines dieser Kriterien nicht die Anforderungen der Klasse „Basic“, so ist die Zuordnung der Einrichtung zur DFN-AAI „Basic“ unzulässig.

  • Zuletzt geändert: vor 18 Monaten